Burnout Syndrom – Krankheitsbild totaler Erschöpfung

Burnout Syndrom

Das Burnout Syndrom ist eine ernst zu nehmende Krankheit

Burnout gilt als Phänomen der heutigen Zeit. Der englische Begriff kann übersetzt werden mit „Ausgebranntsein“. Damit ist ein Zustand völliger Erschöpfung definiert, in dem normale Erholung in gewohnter Manier (z. B. Urlaub) nicht mehr möglich ist. Die Person ist – scheinbar plötzlich – zu keiner der Leistungen mehr fähig, die er oder sie bis dahin typischerweise in extrem hohem Maße erbracht hat. Neben der körperlichen Entkräftung findet sich beim Burnout Syndrom die Energielosigkeit auch auf der emotionalen und geistigen Ebene. Vorangegangen ist diesem Zustand eine Vielzahl hochbelastender Stresssituationen.

Diese Stresssituationen werden in der Regel mit fortschreitender Krankheit als immer belastender empfunden. Sie können ein Ausmaß annehmen, unter dem ein klares Denken für die Betroffenen nicht mehr möglich ist. Scheinbar einfache Tätigkeiten werden zu einer unüberwindbaren Hürde, Gesprächssituationen zu extrem unangenehmen Begebenheiten, die jede Kraft rauben. Je tiefer ein Mensch in diese Abwärtsspirale gerät, desto schneller und unausweichlicher dreht sich das Karussell nach unten. Ein Ausweg erscheint Betroffenen unvorstellbar. Unterschieden wird grundsätzlich in diese Arten des Burnouts:

  • Das emotionale Burnout. Ein häufiges Symptom des emotionalen Burnouts ist das emotionale Ausgebranntsein. Es tritt meist gemeinsam mit Schlafproblemen auf und entwickelt sich vergleichsweise schnell zur Antriebslosigkeit. Begleiterscheinungen können Magenschmerzen, Hörstörungen/Hörsturz, Kopfschmerzen sowie andere körperliche Symptome sein. Die Leistungsfähigkeit nimmt aus diesem Grund sowie aufgrund des Motivationsmangels ab. Irgendwann ist Betroffenen alles völlig gleichgültig, selbst wenn es um ihre Partner oder Kinder geht.
  • Das körperliche Burnout. Oft werden die körperlichen Symptome, die bereits deutliche Anzeichen für ein körperliches Burnout sind, als Begleiterscheinung abgetan. Veränderte Essgewohnheiten, Ticks wie Nägelkauen, ein verändertes Geschmacksempfinden sowie Rücken- oder Kopfschmerzen können ein Indiz für ein aufkeimendes körperliches Burnout sein. Auch sexuelle Probleme, Schlafstörungen und erhöhter Blutdruck können Anzeichen sein. Betroffene entwickeln ihre individuellen körperlichen Stressreaktionen stark: Gelegentlicher Durchfall aufgrund von Stress wird zum Reizdarm, leichte Magenschmerzen werden zu Magengeschwüren.
  • Das soziale Burnout. Stimmungsschwankungen, Angstgefühle, Panikattacken sowie das Gefühl, neben sich selbst zu stehen und soziale Kontakte als Last zu empfinden, können Anzeichen für ein soziales Burnout sein. Betroffene leiden oft still, sie vertrauen sich keinem an. Grund ist die tief verwurzelte Angst vor dem Miteinander, das Gefühl des Ausgeliefertseins in der Öffentlichkeit oder der Druck, sich ständig unter Beobachtung zu fühlen. Wer sich dazu noch unwohl in seiner Eigenen Haut fühlt – und das trifft auf Burnout-Patienten in der Regel zu kann den Leidensdruck kaum ertragen und zieht sich immer weiter zurück. Es besteht die Gefahr, sich komplett abzukapseln und in eine tiefe depressive Phase zu stürzen.

Phänomen mit individueller Gestalt und sozialer Bedeutung

Aktuelle Berichte in den Medien haben in den vergangenen Monaten ein Bewusstsein für das Burnout Syndrom geschaffen: Das Ausgebranntsein trifft für immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft zu. Das Burnout Syndrom ist ein Spiegel unserer leistungsbezogenen Welt. Dabei fällt insbesondere das hochgradig fordernde und kurz getaktete Arbeitslebens ins Gewicht. Es ist unabhängig von Gesellschaftsschichten, Altersgruppen und vom Geschlecht.

Ein Blick in diese Tabelle zeigt die vielseitigen Auslöser und Ursachen für das Burnout-Syndrom:

Ursachen für das Burnout-SyndromBeschreibung
Anerkennung wirkt präventivAnerkennung und Lob sind zwei wichtige Komponenten, um ein positives Selbstbild auszubilden. Erhält der Mensch, der perfektionistisch veranlagt ist, und sich über die Maßen engagiert, kein Lob, fühlt er sich schnell unvollkommen oder gar minderwertig.
Der Job als AuslöserVorgesetzte, die nie gelernt haben, was es bedeutet Führungskraft zu sein, und Kollegen, die kein Miteinander kennen, können das Burnout-Syndrom begünstigen. Mobbing ist hierbei eines der massivsten Ausprägungen dessen, was einen im Arbeitsleben widerfahren kann.
EhrgeizEhrgeiz ist grundsätzlich keine schlechte Eigenschaft, nur wenn die Messlatte der Leistungsfähigkeit zu hoch angelegt wird, droht Überforderung. Auch kann das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben, dadurch verloren gehen.
HelfersyndromWer Gutes tut, ist nicht etwas grundsätzlich gefährdet, am Burnout zu erkranken. Wer allerdings die innere Verpflichtung hat, Menschen zu helfen, um dadurch Anerkennung oder Dank zu erhalten, läuft Gefahr, dass diese Verhaltensweise eine krankhafte Ausprägung annimmt. Ähnliches gilt für diejenigen, die sich ehrenamtlich engagieren.
HochbegabungWer einen überdurchschnittlich hohen Intelligenzquotienten hat, der sucht häufig nach immer größeren und gewichtigeren Aufgaben, um den Bedarf nach Wissen zu stillen. Ruhepausen gibt es kaum und so ist das Risiko, an einem Burnout-Syndrom zu erkranken, entsprechend hoch.
Mangelnde EntscheidungsfreiheitWer nicht frei in seinen Entscheidungen sein kann, hat Stress und das kann die Ausbildung des Burnout-Syndroms begünstigen. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, einen eigenständigen Wirkungsradius zu kreieren, zu dem selbstständige Arbeit sowie eine angemessene Belohnung dafür gleichermaßen gehören.
MonotonieWer sich fühlt wie im Hamsterrad und tagein, tagaus dieselben Aufgaben absolviert, ohne variieren zu können oder eine alternative Entscheidung treffen zu können, der ist Burnout gefährdet.
PerfektionismusEhrgeizig zu sein und die gestellten Aufgaben in hoher Perfektion ausführen zu wollen, ist nicht verwerflich. Jedoch muss jeder Mensch auch zulassen, sich über erreichte Ziele zu freuen, anstatt gleich das nächste Großprojekt in Angriff zu nehmen. Sich selbst Anerkennung zu schulden, hilft dabei, nicht im Perfektionismus-Strudel festzuhängen.
Private ProblemeDas Privatleben übernimmt die Funktion als Ruhepol im Gegensatz zum stressigen Arbeitsalltag. Ist diese Funktion in Gefahr, weil sich im Privaten Probleme auftun, kann das eine Säule der emotionalen Sicherheit massiv gefährden. Ein Gefühl der Einsamkeit kann hier ebenso gefährliche Folgen haben wie Sterbefälle, Existenzängste oder Liebeskummer.
Schlechter GesundheitszustandHäufig wird der Krankheitszustand lediglich als Symptom oder Effekt einer Erkrankung gesehen, beim Burnout-Syndrom kann das Gegenteil der Fall sein, denn: Ein schlechter Gesundheitszustand schwächt die menschliche Psyche, die letztlich der Ansatzpunkt des Burnout ist.
Stolz und SinnhaftigkeitWer stolz auf das ist, was er leistet, und darin einen Sinn sieht, minimiert das Burnout-Risiko, denn: Die Sinnhaftigkeit der bewältigten Aufgaben hat entscheidenden Einfluss auf den Grad der Zufriedenheit und damit auch auf die Psyche. Eine Mensch, der ohne Sinn und Ziel arbeitet, kann in eine tiefe Sinnkrise geraten.
UmwelteinflüsseNeueren Untersuchungen zufolge ist nicht etwa das Umfeld an sich entscheidend (das Arbeits- oder Privatleben), sondern vielmehr die individuelle Beziehung zum Umfeld. Häufig entsteht das Burnout-Syndrom im Spannungsfeld von äußeren Anforderungen und einem übersteigerter individuellen Leistungswillen.

Typischer Verlauf des Burnout Syndroms– spezifische Auslöser

Die Entstehung des Burnout-Syndroms stellt sich als schleichender Prozess dar. An seinem Ausgangspunkt zeigt sich regelmäßig das Bild eines Menschen voller Enthusiasmus und Einsatzbereitschaft für seine Aufgaben und Ziele.

In seinen frühen Phasen des Burnouts entwickelt sich dann mehr und mehr Frustration. Der Betroffene fühlt sich überfordert und es fehlen augenscheinlich Möglichkeiten, auf die schwächenden und kräftezehrenden Situationen Einfluss zu nehmen. Subjektiv erleben wir diese Ereignisse als Stress.

Ob und wann das Stressgefühl einsetzt, hängt von der einzelnen Person ab. Auch die Charakterstruktur und die Erfahrungen in vergleichbaren früheren Erlebnissen spielen eine Rolle. Eine bestimmte Herausforderung, auf die der eine souverän und gelassen reagiert, stellt für jemand anderen möglicherweise eine sehr belastende Situation dar. Je öfter das Gefühl von Ausgeliefertsein und Ohnmacht erlebt wird, umso mehr steigt die Anfälligkeit für Burnout. Betroffene sehen sich oftmals in mehreren Lebensbereichen schwierigen Konstellationen ausgesetzt.

Psychosomatische Beschwerden treten mit zunehmender Zeitdauer und in unterschiedlichen Bereichen auf. Als typische physische Beschwerden im Zusammenhang mit Überforderung und Überlastung sind wiederholte Infektionen, Bluthochdruck und Tinnitus zu verzeichnen. Auf der psychischen Ebene zeigen sich Störungen des Alltagsverhaltens wie Depression, Angst- oder Suchtzustände. Die individuellen Ausprägungen sind dabei so vielfältig wie die auslösenden Momente und persönlichen Konstellationen selbst.

Obgleich die Abfolge der Phasen bei jedem Menschen unterschiedlich sein kann, so lassen sich doch regelmäßig diese Phasen erkennen, die im Zuge einer Burnout-Erkrankung zu beobachten sind:

Erkennung und Behandlung – Außenblick unterstützt Innenschau

Die Erforschung des (teilweise noch kontrovers diskutierten) Krankheitsbildes Burnout und seiner Ursachen ist ein relativ junges Feld der Medizin. Mit ihr setzen sich neben Haus- und Fachärzten insbesondere Neurologen und Neurobiologen sowie Psychiater und Psychotherapeuten auseinander. Der erste Schritt, Burnout zu erkennen, ist in vielen Fällen nicht leicht, da sich die Symptome zunächst auf der körperlichen Ebene zeigen und hier wiederum teilweise in unterschiedlichen Körperbereichen.

Die Wege zur richtigen Diagnose des Burnout-Syndroms sind oft umständlich und der Betroffene sieht sich nicht selten widersprüchlichen Aussagen über die Ursache seiner Symptome gegenüber. Bei richtiger Beurteilung des Gesundheitszustands bestehen heute beste Behandlungsmöglichkeiten und Therapieerfolge. Zur vollständigen Regeneration bedarf es einer jeweils individuellen Herangehensweise. Der von Burnout betroffenen Person wird es nur unter der Führung eines auf dem Sachgebiet erfahrenen Therapeuten gelingen, ihre Situation zu überdenken, neu zu bewerten und so einen nachhaltigen Umschwung einzuleiten.

Wichtig ist, im Umgang mit Burnout das Syndrom als Krankheit zu begreifen. Das heißt für Angehörige: Eine umfassende Information ist nötig, um dem Familienmitglied die nötige Hilfestellung zu ermöglichen, die es zur Bewältigung der Krankheit braucht. Platte Aufmunterungsversuche sind im Übrigen meist fehl am Platz. Rücksichtnahme, Geduld sowie ein offenes Ohr sind häufig der Weg, den Angehörige einschlagen sollten. Häufig fungieren auch Menschen aus der Familie oder dem engsten Freundeskreis als die Vertrauenspersonen, die letztlich Antrieb und Motivation liefert, um mithilfe therapeutischer Unterstützung das Burnout-Syndrom auszukurieren.

Präventionsmaßnahmen

Der römische Dichter Juvenal prägte einst die Weisheit „mens sana in corpore sano“, was so viel bedeutet wie: „In einem gesunden Geist wohnt ein gesunder Körper.“ Und dieser gesunde Körper ist auch die Grundausstattung für all diejenigen, die einem Burnout-Syndrom vorbeugen wollen. Die Alarmsignale und Symptone dieser Erkrankung mit schleichendem Krankheitsverlauf sind so vielseitig, dass es bei all den möglichen Präventionsmaßnahmen gilt, gleiche mehrere Bereiche gesund zu vereinen. Folgende Punkte sollten daher regelmäßig auf den Prüfstand:

  • Ist der Ausgleichsfaktor zum täglichen Stress hoch genug? Entspannungsübungen, Ausgleichssport und ähnliche Optionen in dieser Richtung müssen in Analogie zum Stresspegel entsprechend hoch angesetzt werden, um auch in der Praxis für einen Ausgleich sorgen zu können. Das heißt: Ein gesunder Mix aus Sport und gesunder Ernährung bilden den Ausgleich zum stressigen Privat- und Berufsalltag. Ausreichend Schlaf und regelmäßige Entspannungsphasen gehören ebenfalls dazu.
  • Wer ein klares Ziel vor Augen hat, läuft tendenziell weniger Gefahr, sich zu verzetteln. Das bedeutet auch: Als Präventionsmaßnahme bestens geeignet ist, sich beispielsweise ein Karriereziel zu setzen, das regelmäßig wieder aus der Schublade gekramt wird. Dieses Ziel zu erreichen, erfordert in der Regel ein hohes Maß an Disziplin und die Fähigkeit, sich nicht vom Alltagstrott hemmen zu lassen. Gut ist, auf dem Weg zum finalen Ziel Zwischenetappen einzubauen, die regelmäßige Erfolgserlebnisse ermöglichen. So wird im selben Atemzug ein vernünftiges Zeitmanagement initialisiert, das die gesetzten Ziele auch realistischerweise erreichbar macht.
  • Auf den Prüfstand sollte nicht nur die Zukunftsplanung, sondern auch die individuell unterschiedlich ausgeprägten Erwartungshaltungen an einen selbst. Wer hier realistische Einschätzungen trifft, kann Erwartungen auch erfüllen, wird Anerkennung dafür ernten und erlebt so Befriedigung.

Einführungsvideo zum Burnout Syndrom von Welt der Wunder