Zu früh zu down
Mit 14 begann alles. Scheinbar ohne Vorwarnung. Ich konnte nicht mehr. 20 Minuten dem Unterricht zu folgen, unmöglich! Den Inhalt von 3 Buchseiten zu verstehen, Träumerei! Bereits nach der ersten Unterrichtsstunde so fertig, so müde als wäre ich bereits zwei Tage ununterbrochen wach, trotz dass ich gerade eine guten Schlaf von 9h hinter mir hatte. Ich lag immer nur auf der Schulbank und versuchte mich irgendwie auszuruhen. Zu recht wurde ich von vielen als seltsam bezeichnet. Ich war nun angreifbar für alles, wurde gemobbt und konnte mich nur sporadisch intelligent dagegen wehren. Ich kann mir heute kaum vorstellen wie ich diesen Zustand nur ertragen konnte.
Die Ursache für all dies ist bei mir recht einfach zu nennen: Krankhaft übersteigerter Ehrgeiz. Ich wollte alles wissen und alles können. Und ich glaube, ich war nicht mal unerfolgreich dabei. Die Welt, mein Leben, bestand nur aus Arbeit. Beschäftigung mit Eulerschen Reduktionsverfahren und Funktionslehre der Klasse 11. Täglich für Französisch und Englisch lernen und sowieso alles lernen. In meiner Freizeit habe ich dann Dokumentationen auf Phönix angeschaut, begonnen mich mit Aktien zu beschäftigen und schwere Strategiespiele am Computer stundenlang "abgearbeitet". Eigentlich war ich fast immer unter Stress und unter Leistungsdruck. Einen Leistungsdruck, welchen eigentlich keiner an mir anlegte, sondern einen, welchen ich mir selbst geschaffen habe. Und ich hab mich richtig gut als Fleisch gewordene Maschine gefühlt.
Bang, irgendwann war es dann so weit. Die Batterie war leer und ich wusste nicht wie mir geschieht. Dass ich mit der Lage zunächst nicht umgehen konnte, brauch ich wohl nicht zu sagen. Keiner kann das! Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie davon gehört, dass Menschen plötzlich nicht mehr denken können. Zunächst habe ich noch geglaubt, dass das alles mit einer Stunde Fahrrad fahren am Tag weggeht. Es wurde nur noch schlimmer. Kurz vor den Sommerferien habe ich dann das völlige Burnout ereicht. Keine Leistungsfähigkeit mehr, Depressionen, Selbstmordgedanken. Ich habe mir Tagelang über den Sinn des Leben Gedanken gemacht - keinen gefunden. Doch über die Sommerferien wird das schon wieder was! Nach den sechs Wochen fühlte ich mich wie vor den sechs Wochen. Meine Hoffnung sank, ohne Pause zu machen. Ich setzte mir ein Ultimatum: "Bist du bis zum Ende der 10. Klasse nicht wieder gesund, dann ist alles verloren und der Tod die einzige Erlösung." Eine Lösung für mein Problem hatte ich nicht. Von Abschalten und Entspannen habe ich immer noch nicht viel verstanden. Ein weiteres Schuljahr, die 9. Klasse, verging. Es war mein absoluter Tiefpunkt.
Die Klasse 10 brachte endlich Veränderungen. Langsam begann ich zu begreifen, was ich tun muss bzw. was ich nicht tun darf um wieder gesund zu werden. Wobei hier wirklich die Betonung auf langsam liegt. Ich habe begonnen mich mit autogenen Training und Yoga zu beschäftigen und angefangen Tennis zu spielen. Zudem war ich nach 1 1/2 Jahr schweren Burnouts zum Arzt gegangen. Zwei Rezepte Ergotherapie - zwei erfolglose Rezepte, hat mir nicht weitergeholfen. Nichts des so trotz hatte ich im Mai diesen Jahres richtige Hoffnungen, dass alles nur noch eine Frage der Zeit sei. Auf diese Zeit nach den Burnout warte ich heute noch, es geht mir aber schon deutlich besser.
Ich bedanke mich für euer lesen