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Psychische Ursachen aus der Kindheit: Helfersyndrom

Die Ursache des Helfersyndroms liegt allgemein meist in einem starken Mangel an Zuneigung und Liebe in der Kindheit. Dieser muss jedoch "schnitthaft" geschehen, also ein plötzlicher starker Rückganz der gezeigten Zuneigung der Eltern. Andernfalls würde das Kind aus Mangel an Vergleichsmöglichkeiten einen solchen Entzug natürlich nicht mitbekommen.

Denkbar wären:

  • die Mutter, welche in der Regel die Hauptbezugsperson eines Kindes darstellt, hat aufgrund einer beruflichen Beförderung plötzlich drastisch weniger Zeit für ihr Kind
  • durch ständigen Ehekrach zwischen Mutter und Vater wird das Kind emotional vernachlässigt
  • die Mutter bekommt eine körperliche oder psychische Krankheit und ist mit der Situation überfordert
  • es wird plötzlich Gewalt gegen das Kind eingesetzt um es zu "erziehen" oder aus niederen Beweggründen

Das darunter leidende Kind fühlte sich daraus folgend schlicht ungenügend akzeptiert, gelobt und geliebt von seinen Eltern. Verständlicherweise es es dabrüber sehr traurig und enttäuscht. Hierbei zählt, wie bei allen psychischen Krankheiten, allein die subjektive Sicht des Kindes.

Darauf hin stellt sich dann natürlich für jeden Menschen die Frage: "Warum ist dies so, warum mag man mich nicht mehr so wie früher?" Die Antworten könnte in Abhängigkeit von der Stärke des Gefühl des Nicht-Gemocht-Werdens und des eigenen Selbstwertgefühls höchst unterschiedlich ausfallen. Von "den anderen die Schuld in die Schuhe schieben" bis "sich selbst dafür verantwortlich machen". Kinder neigen stark zu Zweiterem, also sich selber dafür verantwortlich machen. Doch warum suchen sie gerade bei sich selber die Schuld, wenn sie doch auch selbst offensichtlich erkennen, dass sich nur ihr Umfeld - nicht jedoch sie selber verändert haben? Widersprüchlich! Die Lösung dieses paradoxen Verhaltens findet sich bereits unseren Genen. Eltern, insbesondere Mütter, sind auf eine enge Bindung zu ihren Kindern programmiert, Kinder wiederum auf eine enge Bindung zu ihren Eltern. Eltern treten aus Sicht von Kindern als Vorbilder auf.

Sigmund Freud würde dazu sagen als "Über-Ich", als Maßlinie. Und seinen Hass, Wut, Frustration und Enttäuschung reagiert man doch nicht etwa ans seinem "Über-Ich" an seinem überragenden Vorbildern ab! Um diesen unlösbaren Konflikt doch eine Lösung zu geben, opfert man lieber ein anderes Kalb. Man wählt sich dazu aus und lässt sich selber den Hass, die Wut, die Frustration und die Enttäuschung spüren. Dies kann einerseits in plötzlicher körperliche Aggressionen gegen einen selber erfolgen, andererseits zu emotionalen Aggressionen gegen einen selber, gegen die eigene Seele. Die Vorwürfe gegen sich selber stellen dann ein regelrechtes Bombardement des eigenen Selbstwertgefühls dar. Am Ende könnte aus der Frage "Warum liebt mich Mami nicht mehr so sehr?" die Antwort entstehen: "Ich war nicht lieb genug zu ihr!" Dieses Fatale Gefühl brennt sich tief in die Seele, das Unterbewusstsein des Menschen, ein und wird wohl ohne eine Behandlung nie wieder, auch nicht über etliche Jahrzehnte, abgelegt werden können.

Was nimmt nun das Kind aus dieser Erfahrung mit? Natürlich ab jetzt einerseits keine Fehler mehr zu machen, welche zu einer noch weiteren Verschlechterung der Beziehung führen würden! Andererseits natürlich auch alles zu tun, damit es wieder wir früher geliebt wird. Das heißt: hilfsbereit sein, hilfsbereit sein und noch mal hilfsbereit sein! Dieser große innere Zwang zu helfen ist so tief injiziert, dass er auch im Erwachsenenleben nicht mehr verschwinden wird. Zu der Zeit sind jedoch die Eltern im Zuge des Abnabelungsprozesses als einzige Bezugspersonen abgelöst.

Neue Menschen treten an deren Stelle und natürliche möchte sich der Betroffene gut mit diesen Verstehen. In der Kindheit hat er gelernt, dass er den Menschen helfen muss, damit sie einen mögen. Somit möchte er auch diesen Menschen helfen um sich dadurch die Anerkennung und Dankbarkeit von ihnen zu sichern. Nur dummerweise braucht nicht jeder Mensch größere Hilfe und so kann der Betroffene auch nicht jeden Menschen helfen um dafür s einen Lohn zu bekommen. Doch diesen Lohn benötigt er unbedingt, um damit sein schwaches Selbstwertgefühl aufgrund der Kindheitserlebnisse zu stärken. Er sucht sich also Menschen in seiner Umgebung, welche eben dieser Hilfe bedürfen. Dies tut er immer und immer wieder, denn sein geringes Selbstwertgefühl braucht immer wieder frischen Input. Er ist nun nahezu süchtig danach zu helfen oder eher süchtig nach der Dankbarkeit von anderen. Er ist nun ein am Helfersyndrom erkrankter Mensch.

Von diesem Erkenntnisstand fällt der Brückenschlag zu Burnout nicht mehr schwer. Anderen Menschen körperlich und seelisch zu helfen bedeutet immer einen hohen geistigen aber insbesondere auch hohen emotionalen Aufwand. Jeder, der bereits schon einmal einen Menschen, dem es sehr schlecht ging, betreute und dabei insbesondere ihn in Gesprächen emotional unterstützte, weiß, wie "nervenaufreibend" dies ist.

Daher ist bereits die Komponente geistiger Stress für ein Burnout erfüllt. Wenn jedoch am Ende für den Helfenden der Ertrag heraus kommen würde, welchen er sich davon erhofft, nämlich Dankbarkeit und Lob in ausreichenden Maße, so wären wir noch nicht bei einem Burn-Out. Wir brauchen also noch die zweite Säule der Burnout-Entstehung, wir brauchen Enttäuschungen. Nun ja, so schwer lassen sie sich bei Helfenden nicht finden. Tief brauchen wir nicht suchen. Helfende erhalten nicht immer am Ende die Dankbarkeit, die Anerkennung oder die Liebe, welche ihr Selbstbewusstsein braucht, um zu leben. Häufig sind sie einfach zu hoch gesteckt, der Lohn unrealistisch angesetzt - was jedoch nichts an dem Umstand ändert, dass der Betroffene dennoch enttäuscht sein wird.

Beide Faktoren für ein Burnout sind vorhanden. Nun ist es nur noch eine Frage der Intensität und der Zeitdauer bis der Zeigern von einem Burnout-Risiko zu einem Burnout-Haben umschwenkt und ab da an ist guter Rat teuer.
Quelle: Niklewski/ Riecke-Nicklewski - Depression überwinden S.49-52 (Stiftung Warentest 2005)

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Burn Out Tags: Helfersyndrom, Kindheit, Spezielle Ursachen, Ursachen, Was ist Burnout?

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