Phase I
In der ersten Stufe von Burnout zeigen sich in der Regel keine emotionalen Reaktionen und auch keine Erschöpfungsanzeichen jeglicher Art. Weder der Betroffene selber noch sein Umfeld kann bis jetzt Symptome der Krankheit erkennen. Die erste Phase könnte man unter dem Titel mehr Belastung als Entlastung zusammenfassen. Hält dieser Zustand über einen längeren Zeitraum an, werden die Vorhanden Energiereserven immer weiter aufgebraucht.
Eine solche Überbelastung der eigenen Leistungsfähigkeit ist häufig mit einer biografischen Zäsur verbunden. Darunter können beispielsweise Berufseinsteiger fallen, welche nach ihrer Ausbildung mit Ernüchterung feststellen müssen, dass sie eigentlich noch nicht wirklich etwas können, weil ihnen die Berufserfahrung schlichtweg fehlt. Konkret nennt man dies eine Kompetenzkrise. Diese kann ein Arbeitsplatzwechsel sein, welcher sich später als nicht gerade glücklich herausstellt. Das Übernehmen einer leitenden Stellung ohne auf bereits erworbenen Führungsfähigkeiten zurückgreifen zu können. Dies kann sowohl zum Zweifeln an der eigenen Kompetenz als auch zu einer Lustlosigkeit für die neue Aufgabe führen („Eigentlich war das ja nicht gerade das, was ich mit unter meinen Beruf vorgestellt habe.“). Weiterhin lässt sich das Ausbleiben einer schon lange erwarteten Beförderung (Anerkennung) in einigen Fällen als Initialzünder ausmachen. Es muss auch nicht immer die Arbeit sein. Privat kann zum Beispiel ein plötzlicher Wegfall des Freundeskreises durch eine Scheidung oder einen Wohnortswechsel den Beginn einer „Burnout-Karriere“ markieren. Schlussendlich sind auch schwerwiegende Krankheitsdiagnosen sowie Trauerfälle denkbar. Die Palette der Möglichkeiten ist groß und häufig, jedoch nicht immer, lässt sich bei der Zurückverfolgung der eigenen Vergangenheit ein solcher Wendepunkt als Beginn der Krankheit festlegen. Was an allen aufgezählten Veränderungen sich wieder zeigte, war, dass im Zentrum nicht etwa eine starke Steigerung der zu bewältigen Arbeitsmenge stand, sondern das einprasseln von negativen Gefühlen auf den Betroffen. Diese negativen Gefühle trugen hierbei nur andere Namen wie Kompetenzkrise, Versagensangst, Trauer, Zukunftssorgen, Einsamkeit, Lustlosigkeit, Enttäuschung oder ständige Kritik. Somit stellt der emotionale Umgang mit einer Situation erst die Ursache des Burnouts dar. Aus dieser sehr wichtigen Schlussfolgerung lassen sich eine Vielzahl an Ansatzmöglichkeiten zur Heilung und insbesondere zur Prävention von Burnout finden. Diese sollen hier jedoch nicht zum Thema gemacht werden. Dynamische Burnout-Typen reagieren auf diese emotionalen Enttäuschungen häufig mit einer weiteren Steigerung ihres Arbeitsaufwandes. Sie versuchen praktisch ihr Glück zu erzwingen. In diesem Zusammenhang lässt sich von einer idealistischen Erhöhung der Arbeit sprechen. Ihr wird also eine übertrieben hohe Bedeutung im eigenen Leben zugemessen. Erst kommt die Arbeit, dann kommt lange nichts. In manchen Fällen kann diese Art der Bewältigung auch tatsächlich helfen und zwar genau dann, wenn durch den zusätzlich Einsatz das Gesamtverhältnis von Investition und Ertrag wieder stimmt. Schlägt dieser Versuch, sein inneres Selbstbewusstsein wieder aufzubauen, jedoch fehl, hat der Betroffene noch mehr Kraft verloren und betritt unwillkürlich Phase zwei der Krankheit.
Phase II
Nach den negativen Erfahrungen aus der ersten Phase, welche trotz Kompensationsversuchen, nicht vermieden werden konnten, zieht der Betroffene nun seine Konsequenz. Sie lautet Rückzug. Zum einen wird die hoch gepriesene Arbeit plötzlich nur noch als Belastung angesehen. In helfenden Berufen geht der Wille zum Helfen verloren. Dem Betroffenen nimmt emotional völlig Abstand von der Situation seiner Patienten. Sie ist im praktisch sogar egal geworden. Stattdessen neigt er immer häufiger dazu, dauerhaft seinen zu Betreuenden Vorwürfe zu machen. Dies geschieht vor allen Dingen in Gedanken. Sätze wie „Die sind doch alle selbst, dran Schuld, wenn sie zu uns kommen müssen!“ oder „Die dummen Schüler kapieren doch nie, was für ihr Leben wichtig ist, da kann ich machen was ich will.“ lassen sich darunter ausmalen. Dass der Einsatz ebenfalls überall dort verringert wird, wo keine direkten negativen Folgen zu erwarten sind, muss wohl an der Stelle kaum noch erwähnt werden. Die Arbeitet wird schlussendlich nur noch als pure Pflichterfüllung angesehen und völlig lustlos ausgeführt. Diese neue Einstellung ist insbesondere verwunderlich, weil viele Betroffene sich ihren Job mit Begeisterung selbst aussuchten und ihn daher auch immer sehr mochten. Neben den emotionalen Rückzug vom Job, kündigt sich ab der zweiten Phase in einigen Fällen ebenfalls bereits ein privater Rückzug an. Reden, Zuhören und Probleme Diskutieren möchte der Betroffene meiden. Doch da genau daraus häufig soziale Kontakte bestehen, entscheidet er sich in kleinen Etappen, aus diesem Zusammensein zu fliehen. Ein solches Verhalten lässt sich besonderes dann Beobachten, wenn ein Reduzieren des Engagements im Beruf nicht möglich ist. Diese Unmöglichkeit kann auf einer innere Überzeugung von „Du musst, sonst scheitert Dein ganzes Leben“ bis hin zu einem „Du musst, um Geld zu verdienen.“ bei beispielsweise Selbstständigen oder Angestellten in Dienstleistungsberufen gründen. Auch die Veränderungen der zweiten Phase nimmt der Betroffene häufig kaum war und das etwas mit ihn nicht in Ordnung sein könnte, kommt für ihn häufig noch gar nicht einmal in Erwägung.
Phase III
In der dritten Phase muss der Betroffene endgültig akzeptieren, dass seine Erwartungen, Wünsche und Ziele nicht in Erfüllung gehen werden. Während man in der zweiten Stufe emotional lediglich einen Überdruss der Arbeit spürte, sorgt sie ab nun für Frustration. Diese ist ein Zeichen, dass man sich ohnmächtig fühlt, seinen Problemen entgegen zutreten und danach zu lösen. Man muss sich selbst eingestehen, dass man seine Leistungsfähig und seine Strapazierfähigkeit überschätzt hat und die eigenen Probleme mit sich und der Umwelt doch schwerwiegender waren als gedacht. Eine weitgehende Desillusionierung tritt auf. Diese Enttäuschung müsste idealer Weise in einer Trauerphase verarbeitet werden. Während dieser Zeit denkt man über die Vergangenheit nach, erkennt seine Fehler und zieht daraus seine Konsequenzen. Dies hieße neue, realistischere Ziele, welche an die tatsächliche Leistungsfähigkeit auch angepasst sind, sowie das Loslösen von Ballast wie ein falscher Beruf, unberechtigten Angstvorstellungen oder meinetwegen auch von einer unglücklichen Partnerschaft. Nun sprach ich mit Absicht von „idealer Weise“. Wer an Burnout erkrankt ist, hat definitiv nicht so gehandelt. Stattdessen verdrängt er seine Enttäuschung und anstatt nach einer Lösung zu suchen, versucht er lieber auf die Schuldfrage seine Antwort zu finden. Die Formulierung „seine Antwort“ suggeriert bereits, wie objektiv sie sein wird. Dabei sucht die eine Hälfte der Menschen die Gründe für ihr scheitern bei sich selber. Sie handeln depressiv. Sätze wie „Ich bin halt einfach zu schlecht.“, „Warum muss ich immer alles falsch machen.“ oder „Ich hätte mich halt früher mehr anstrengen müssen und nicht gleich aufgeben dürfen, wenn es zu kämpfen galt.“ sehe ich als beispielhaft für einen depressiven Menschen der Burnout-Phase III (Hierbei sei erwähnt, dass es sich dabei nicht um eine Depression als komplexe Krankheit handelt. In den Anfangsphasen spricht man daher lieber von spezifischen Depressionssymptomen.). In allen drei von mir genannte Äußerung schwang dabei die Botschaft mit, persönlich versagt zu haben. Ein solches Eingeständnis untergräbt folglich zwangsläufig das eigene Selbstbewusstsein in einer niederschmetternden Weise. Dieser Typus neigt dabei besonders stark dazu, sich von anderen abzugrenzen und sich in seine eigene Problemwelt zurückzuziehen. Die andere Hälfe der Betroffenen entscheidet sich dafür, seiner Umwelt die Schuld für ihr Versagen zu geben. Sie handeln aggressiv. Für sie sind Formulierungen wie „Jeder will immer nur etwas von mir!“, „Sie wollen doch alle nur, dass ich zu Fall komme.“ oder „Bei den Bedingung kann man doch nicht mehr, als sich drüber beklagen.“ typisch. Zu meist tragen Menschen, welche zum aggressiven verhalten neigen, die Eigenschaft „nicht einstecken zu können, aber immer zum austeilen bereit zu sein“. Sind diese Menschen dann noch zusätzlich schlecht gelaunt und frustriert, so möchten man in der Regel lieber einen extra großen Bogen um sie machen. Denn sie sind nicht nur pessimistisch und zu keinerlei Zugeständnissen bereit, sondern lieben es zudem noch zu kritisieren und andere schlecht zu machen. Des Weiteren tendieren sie zu einer dauerhaft gereizten Stimmungslage sowie zu plötzlich starken Wutausbrüchen. Unabhängig ob nun der depressive oder der aggressive Weg oder eine Mischung von Beiden eingeschlagen wurde, so zeigt sich bei allen Fällen die Unfähigkeit, über die Probleme offen zu sprechen. Ausbrenner fühlen sich in der Regel deutlich stärker dem Mythos eines „self-made man“ aus der amerikanischen Geschichte hingezogen. Dieser kann alles und alles alleine. Aus einer solchen Perspektive plötzlich die eigene Hilfebedürftigkeit zuzugeben – unmöglich. Darauf angesprochen, dass ihr innerlicher Rückzug oder ihr gesteigerte Aggressivität vielleicht etwas mit ihre eigenen Unzufriedenheit mit sich selber zu tun haben mögen, werden sie zwar stets eine verneinende Antwort geben. Dennoch wünschen sie sich ab dieser Phase sehnlichst, dass jemand sie versteht, tröstet und ihnen Hilfe anbietet. Ob sie diese dann annahmen, steht auf einen ganz anderen Stern.
Phase IV
Erst mit der vierten Phase setzt nun das ein, was das Burnout eigentlich erst ausmacht: ein Leistungsabfall. Während Betroffene bis jetzt immer noch die Chance hatten und zu genüge nutzten, sich einzureden, es sei doch alles völlig normal, so gibt es jetzt gewiss keine Ausreden mehr. Viele merken auch erst in diesem Moment, dass etwas mit ihnen, zwangsläufig noch nicht mit ihrer Lebensweise, nicht mehr stimmt. Die psychischen Veränderungen ließen sich immer noch leugnen, der nun eintreten Konzentrationsverfall jedoch nicht mehr. Die Schwächung des Geistes äußert sich zunächst mit einer verstärkten Anzahl an Flüchtigkeitsfehlern. Darunter können vergessene Termine oder viele kleine Fehler in mathematischen Berechnungen fallen. Mit der Zeit werden diese „Kleinigkeiten“ immer drastischer und häufiger. Zunehmend fängt ab jetzt auch eine Abbau der Leistungsfähigkeit an. Während am Anfang komplexen Probleme nur für eine bestimmte Zeit gefolgt werden konnte, so muss sich der Betroffene später bei nahezu jeder Aufgabe die Frage stellen: „Kann ich das überhaupt noch schaffen?“. Der genannte Abbau steigert sich dann in den letzten beiden Phasen mehr und mehr und wirkt gleichzeitig als Ursache dieser. Wie überhaupt die in jeder Phase neu auftretenden negativen Veränderungen sich in den nächsten Kategorien deutlich weiter verstärken und alles nur noch schlimmer machen.
Phase V
Mit dem Einsetzten des geistigen Abbaus, sowie der damit folgenden steigenden eigenen Probleme, wird das Interesse für andere und die Anteilnahme an ihren Situationen immer kleiner. Wer jedoch anderen Menschen seine Aufmerksamkeit nicht mehr zu Teil werden lässt und sie stattdessen durch Gleichgültigkeit abspeist, brauch sich zu meist nicht zu wundern, wenn diese es einen gleich tun. Dies gilt im Allgemeinen und ist bei Burnout nicht anders. Es ist halt unrealistisch zu glauben, dass viele Menschen, selbst wenn sie über die Krankheitsgeschichte wissen, ihre eigenen Bedürfnisse für einen längeren Zeitraum zurückstecken und die aufgebaute Freundschaft einseitig pflegen. Manche Psychologen bezeichnen das Eingehen einer Freundschaft als eine Art Geschäftsbeziehung, welche nur dann beibehalten wird, solange ein Verlust schwerer wiegen würde als ein Fortbestehen. Ein Burnout-Betroffener Freund scheint eher ein Verlustgeschäft zu sein und wird je nach Charakter daher häufig mehr oder minderschnell abgelegt. Die Konsequenz daraus lässt sich leicht erahnen. Aus dem quantitativen und qualitativen Verlust von Freundschaften folgt eine zunehmende Vereinsamung. Man beginnt, sich alleine zu fühlen. Dies wirkt auf einen Menschen, da er im Allgemeinen die Gesellschaft anderer sucht, ernüchternd. Dieser weitere unfreiwillige Rückzug stellt eine weitere herbe Enttäuschung für den Betroffenen dar, welche unwillkürlich seine Situation und seine Erkrankung noch komplizierter macht.
Phase VI
Während sich bis zur letzten Stufe die Veränderungen auf den emotionalen und geistigen Ebenen abgespielten, treten ab nun zusätzlich auch psychosomatische Reaktionen auf. Diese sind ein Sammelbegriff für die Erkrankung und Schädigung von Körperorganen durch eine Fehlbelastung von Teilen oder auch des gesamten Nervensystems. Dabei besonders häufig Folgeerscheinungen sind Schlaflosigkeit, Infektionskrankheiten, Kreislaufbeschwerden, Verspannungen sowie Verdauungsstörungen. Für das Erste, die auftretenden Schlafstörungen, kennen wohl die meisten selber der Ursache: Durch die übermäßige emotionale Reizüberflutung im Unterbewusstsein ist das Nervensystem überfordert und um zur Ruhe zu kommen benötigt es eine teilweise sehr lange calm-down Phase. Diese Phase nennt man dann Einschlaf- oder Durchschlafstörungen. Bei allen weiteren genannten Folgeerscheinungen lässt sich eine Erklärung in den Abläufen des Körpers bei Stress, also in den Phasen, wo ein schneller zeitlicher Erfolg für den Einzelnen sehr wichtig ist, finden. Hierzu nun eine kurze Beschreibung der Reaktionen des Körpers auf Stress. Realisiert der Geist des Menschen, dass er sich in einer für ihn bedrohlichen Lage befindet, wird diese Situationsveränderung an den so genannten Hypothalamus sendet. Dieser ist ein winziger Gehirnteil in unterer, mittiger Position. Er ist die Schnittstelle zwischen dem Nervensystem und dem Hormonsystem des Menschen. Nach erhalt der Nachricht „Gefahr in Verzug“ wird diese direkt an den Nebennieren weitergegeben. Diese beiden Hormondrüsen, welche sich jeweils am Rand der Nieren befinden, schütten nun eine große Menge von Adrenalin und Noradrenalin und in schweren Fällen zusätzlich viel Cortisol aus. Beides sind Aufputschhormone des Körpers. Durch sie wird das Herzkreislaufsystem angeregt und die Durchblutung gestärkt. Die Zucker- und Fettreserven werden angegriffen, um bei Bedarfsfall schnell genutzt zu werden. Die Muskulatur wird angespannt und dadurch in höchste Alarmbereitschaft gesetzt. Kurz: Der menschliche Körper wird auf eine Fluchtsituation aus der Steinzeit vorbereitet. Ausdauer, Kraft und Reaktionsfähigkeit erreichen Maximalwerte. Um noch weitere Energiereserven für den Notfall bereits zu stellen wird zusätzlich die Versorgung des Gehirns, des Immunsystems und des Verdauungstraktes mit Energie herabgesetzt. Das heißt, alle genannten Funktionsstörungen werden entweder durch eine Überbelastung oder durch eine Unterversorgung verursacht, wenn sich der Körper bei einer Gefahrensituation auf eine Flucht oder eine andere körperliche Extremsituation vorbereitet. Sehr schön. In der Regel verlangen wir nicht gerade danach. Für unser modernes Leben ist dieses evolutionsgeschichtlich veraltetes Stressmuster nicht nur nicht hilfreich, sondern sogar schädlich. Nichts desto trotz müssen wir damit leben und lernen mit den Entwicklungsgrenzen des menschlichen Körpers zu recht zu kommen. Und dass es nun so schlimm ist, dass er gar nichts verkraften, kann man gewiss auch nicht behaupten. Er braucht halt bloß seine Ruhezeiten. Bekommt er, so wie in diesem Stadium der Krankheit, nicht mehr genügend von diesen Pausen, verstärken sich die Ausfallerscheinungen immer mehr und können chronisch werden. Des Weiteren tritt durch die nicht abgebauten Fette im Blut während der Alarmphasen des Körpers ein verstärktes Arterioskleroserisiko. Die Sexualfunktionen können dauerhaft geschädigt werden. Thromoseneigung, verstärkte Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, starke Viren- und Bakterienanfälligkeit, höhere Gefahr von Krebsgeschwüre, sowie ein deutlich gesteigertes Herzinfarktsrisiko lassen sich ebenfalls als organische Konsequenzen aufzählen, welche bekanntlich bis zu einem Tod führen können. Menschen, welche an Burnout leiden, können im Extremfall also sterben ohne irgendwelche vorherige Krankheitserscheinungen schlicht, weil die Organe überlastet waren. Eine solche Todesart wurde erstmals in Japan im Jahre 1969 festgestellt. Man gab diesem häufiger werden Phänomen dort den Namen Karoshi, zu deutsch „Überarbeitungstod“. Neben den organischen Schädigungen zeigt sich ein vermehrter Griff zu Genuss- und Suchtmitteln ebenfalls in der 6. Phase deutlich. Denkbar sind beispielsweise ein übermäßig vieles Essen, welches zu einer nennenswerten Gewichtszunahme führen kann oder auch ein verstärkter Alkoholkonsum um die Sorgen und Probleme zu ertränken. In einer solch ausweglosen Lage, wie sie zweifelsohne erscheint, sind Genuss- und Suchtmittel einer der wenig noch übrig gebliebenen Entspannungsmöglichkeiten. So verwundert es nicht, dass Studien eine stark überproportionale Verwendung dieser bei erschöpften Menschen nachweisen konnten. Es besteht also eine hohe Suchtgefahr! Beide in Phase sechs genannten Veränderungen lassen sich sicherlich am wenigsten in einen festen Ablaufplan der Krankheit hineinzwängen. Körperliche Schädigungen als auch ein deutlich verstärktes Genuss- und Suchtmittelverlangen kann bereits viel früher eintreten – kann, aber auch gar nicht. Genauso, wie es bei alle Symptomen bei Burnout gilt. Sie können eintreten, müssen aber nicht und erst recht nicht, wie es ein stereotypisches Muster vorhersagt. Der Mensch ist zwar gleich gebaut, aber dennoch nicht gleich.
Phase VII
Erreicht ein Betroffener das letzte Stadium der Krankheit so scheint alles Verloren zu sein. Von Hoffnung braucht man jetzt nicht mehr zu sprechen, diese gibt es für ihn praktisch nicht mehr. Sein Leben ist nur noch ein herumvegitieren. Ein Sinn zum weiterleben lässt sich häufig auch kaum noch finden. Der Gedanke eines Selbstmordes taucht immer öfters auf. In vielen Fällen hält lediglich die Angst vor dem Tod den Kranken am Leben. Kommt jedoch der Betroffene am Ende zu der Überzeugung, dass es keinen Ausweg mehr geben kann und das nur ein Suizid ihn von seinen Leiden lösen kann, so schließt der Freitod als letzter Akt die Krankheitsgeschichte eines schweren Burnouts ab.
Q: Prof. Dr. Matthias Burisch - Das Burnout-Syndrom (Springer 2006), Dr. med. Thomas M. H. Bergner - Bunrout-Prävention (Schattauer 2007), hypies.com
ID #1021
Burnout Entwicklung (Langfassung)
Burn Out Tags: Burnout-Entwicklung, Burnout-Stadien, Phasen, Suizid
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