Zu aller erst lässt sich natürlich mit Verständnis und zu Hören helfen. Wenn man den Betroffenen dazu bringt, wirklich 100% offen über seine Probleme zu sprechen und auch glaubwürdig Verständnis zeigt, ist schon der erste Schritt getan.
Einen Zugang zu erhalten, stellt sich dabei öfters schon als das erstes großes Hindernis heraus. Viele, insbesondere Männer, mauern aus Stolz. Sie verschließen sich anderen. Sie versuchen zunächst lieber erst einmal mit der ungewohnten, dramatisch neuen Situation alleine zu Recht zu kommen. Sie finden keine eigene Lösung und verzweifeln. Doch dies zugeben, wäre Schwäche zeigen.
Besonders dramatisch wird ein solcher Umstand für „frisch Verliebte“. Obwohl der neue Partner meist sehr deutlich signalisiert, wie gerne er helfen möchte, da er den Menschen so sehr in sein Herz geschlossen hat, lehnt dieser ab. Nicht nur das, er fordert ihn sogar auf zu gehen und nicht etwa, weil die Liebe erloschen ist, sondern weil er nicht möchte, dass der andere mit in seine Probleme hinein gezogen wird. Sozusagen möchte er den gesunden Partner vor den Belastungen mit einem ausgebrannten Menschen schützen (einen besonderes schweren Fall können Sie unter "Wie soll ich mit meinem Partner umgehen?" nachlesen).
Aus den oben genannten Gründen wollen viele Betroffene selbst den ersten Schritt auf andere Menschen nicht gehen, obgleich sie sich doch danach in vielen Fällen sehnen. Also gehen Sie immer auf den "Patienten" zu. Es ist dabei wichtig, zunächst Verständnis zu signalisieren, um das Vertrauen des Betroffenen zu gewinnen. Dabei kann es sehr hilfreich sein, wenn auch Sie sich intensiv mit der Krankheit Burnout beschäftigen und das auch zeigen. Auf diese Weise können Sie dem Angehörigen beweisen, wie interessiert Sie an seiner Krankheit sind und wie wichtig ihnen seine Angelegenheit ist. Allein dadurch steigt die Sympathieskala des Betroffenen für Sie um viele Einheiten nach oben. Der Betroffene freut sich, wie ernst Sie seine Probleme nehmen und desto eher ist er bereit, ihre Bemühung damit zu belohnen, vollkommen offen mit Ihnen über seinen gegenwärtigen psychischen Zustand zu sprechen. Des Weiteren wird es Ihnen durch ein kleines Burnout-Lektürestudium leichter fallen, die Gedanken Ihres Gegenübers nachzuvollziehen und auf diesem Wege auch eher individuelle Hilfemaßnahmen zu finden.
Um die Vertrauensbasis während der ersten Gespräche noch weiter auszubauen, zeigte es sich häufig als sinnvoll, auch intensiv auf den seelischen Zustand des Betroffenen einzugehen. Menschen finden es häufig als sehr angenehm, wenn der Gesprächspartner signalisiert, "Ich kann Deine Gefühle und Gedanken sehr gut nachvollziehen". Seien Sie ausdauernd und gehen Sie immer wieder offen auf den anderen zu. Dies wird gewiss anstrengend, ist jedoch eine große Hilfe. Doch andererseits: Erwarten Sie nicht zu viel. In ausgeprägten Fällen des Burnouts sind jegliche Unterhaltung für den Betroffenen quälend. Ihr Gegenüber kann sich in sehr schweren Fällen kaum auf Sie konzentrieren. Um sich selbst zu schützen, versucht er daher möglichst vielen Gesprächen aus dem Weg zu gehen, da sie ihm zu sehr belasten, wenngleich er eigentlich weiß, dass sie eigentlich gut für ihn wären.
Falls es sich bei manchen Betroffenen als unmöglich erweisen sollte, ein vernünftiges Gespräch auf die Beine zu stellen, so hat bei einigen auch schon die Möglichkeit geholfen, es mit einem Brief zu versuchen.
Ein Brief könnte inhaltlich mit den folgenden Schwerpunkten verfasst sein. Schreiben Sie:
- wie für Sie als Außenstehenden sein Verhalten und sein gegenwärtige auf Sie wirkt
- dass Sie Verständnis für seine Situation und sein Verhalten haben
- was Sie über Burnout bisher schon alles wissen und wie sie daher seine Lage einschätzen
- wie sehr Sie an ihm interessiert sind und warum Sie ihm gerne helfen wollen
- dass Sie sich gerne mit ihm treffen wollen um etwas zu reden oder vielleicht auch etwas kleines mit ihm zu machen
Auf diesem Wege bekunden Sie deutlich ihr Interesse zu helfen. Sie laufen nicht Gefahr, einfach abgekanzelt zu werden.
Zudem geben Sie dem Betroffenen auch die Möglichkeit, in Ruhe über ihr Angebot nachzudenken. Schon einige hat etwas Zeit zum nachdenken geholfen, zu Vernunft zu kommen und ein gutes Angebot auch anzunehmen.
Zusammengefasst lässt sich konstatieren:
Etliche Betroffen möchten entweder um ihr eigenes Ego oder um den Partner zu behüten, zunächst keine Hilfe von außen erhalten. Manche stemmen sich regelrecht mir Gewalt dagegen. Um dennoch helfen zu können, ist es notwendig, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Erleichtern lässt sich dies durch einfache und insbesondere auf die Gefühle des Betroffenen hingeleitete Gespräche. Dabei können Sie sein Zutrauen auf diesem Gebiet um so leichter gewinne, desto mehr sie über die Krankheit in Erfahrung gebracht haben.
Quelle: kooperationsstelle-hh.de S.40