Schwer Erkrankte spüren nicht selten kaum noch Bedürfnisse außer Essen, Schlafen und irgendwie den Tag zu überstehen. Es herrscht kein Drang etwas zu machen. Mit ihnen kann man nichts anfangen. Sie weigern sich, Bekannte zu besuchen, denn Bekannte besuchen bedeutet Anstrengungen. Sie weigern sich ins Kino oder Theater zu gehen, denn ins Kino oder Theater zu gehen bedeutet Anstrengungen. Und sie weigern sich ein Buch zu lesen, den ein Buch lesen bedeutet Anstrengungen.
Alle Situationen, in denen sie komplexen Reizen ausgesetzt sind, überfordern sie. Doch gerade zur Genesung wäre es wichtig, dass Abwechslungen in ihr Leben kommen; dass sie etwas machen und nicht depressiv ihre ganze Feizeit zu Hause sitzen und über ihr Leben und den ganzen Sinn ihres Lebens nachdenken und ob überhaupt alles noch einen Sinn hat (auch eine stark erhöhte Suizidgefahr herrscht bei Betroffenen). Diesen Gegensatz zu lösen, ist nun eine große Aufgabe bei dem man dem Betroffenen unterstützen kann. Suchen sie sich Dinge aus, wozu man absolut gar nicht denken muss. Am besten geeignet wären dafür irgendwelche sportliche Aktivitäten. Sie mache Spaß, lenken ab und bauen auch noch Stresshormone, die medizinische Ursache des Burnout, ab. Doch auch Konzerte, Entspannungskurse oder meinetwegen erotische Kuschelabenteuer eignen sich hervorragend dafür. Hauptsache es macht Spaß und strengt nicht geistig an. Versuchen Sie, den Betroffen dazu zu animieren, einfach mit zu machen und dies vielleicht auch noch öfters und zur Not auch ohne Sie zu tun.
Nun stellt sich jedoch zu Recht die Frage, was würde dem Betroffenen am besten gefallen? Nach was sehnt er sich innerlich? Diese einfache Frage stellt sich, häufiger als man vermutet, als gar nicht so einfach zu lösen dar. Erraten kann man es nicht immer und aus Rücksicht auf den Angehörigen, behalten etliche Betroffene Wünsche zurück, um damit nicht noch weitere andere zu belasten. In solchen Fällen kann es manchmal die einfachste und erfolgsversprechende Variante sein, einfach direkt zu fragen: "Wie kann ich Dich unterstützen? Was wünschst Du Dir von mir, damit Du wieder gesund wirst?" Dies noch schön in eine Unterhaltung verpackt, so kann durchaus die Frage "Wie kann ich helfen?" durch den Betroffenen selber beantworten werden. Vielleicht sagt er, dass er sich mehr Zärtlichkeiten von seinem/ihrem Partner wünscht (diese sind sowieso in solch eine Lebensphase sehr unterstützend). Vielleicht möchte er mehr Ruhe zu Hause haben und nicht ständig einen Fernseher, ein Radio oder ein Staubsauger hören. Oder vielleicht auch, dass Sie ihn nicht von früh bis Abend mit Gesprächen belästigen, dann sollte dies auch bis zu einen gewissen Grad akzeptiert werden.
Das finden von irgendwelchen Interessen des Betroffenen war der erste Schritt im Rahmen einer Burnout-Hilfe. Ziel war es, wie die Bezeichnung schon sag, "irgendwelche" zu finden, welchen dem Betroffenen kurzeitig Vergnügen bereiten. Er muss diese Beschäftigungen längst nicht für immer ausführen. Sie sollen ihm lediglich wieder so weit Kraft geben, bis er wieder ein wenig mehr belastbar ist und auch andere Hobbys wieder ins Auge fassen kann.
Im zweiten geht es nun darum, dem Angehörigen dabei zu unterstützen, seine Freizeitbeschäftigungen zu finden, welche ihn dauerhaft Spaß bereiten kann, welche ihn dauerhaft als Energieressource dienen kann. Hierzu gilt bei vielen, dass sie auch ein gewisses geistiges Niveau besitzen müssen, damit der Betroffene auch wirklich langzeitig Freude daran zeigen kann. Wenn der „Patient“ sich nach einer Weile schon wieder ein wenig besser fühlt, sollte dies auch für ihn langsam wieder möglich sein, solange er behutsam einsteigt und nicht gleich alles auf einmal will.
Dies können für den einen klassische Opern sein, für den anderen Natur- oder Kunstmuseen oder für wieder andere das Gestalten einer Website zu ihrem Lieblingsthema und schlussendlich wären auch das Wiederbeleben eines alten Stammtisches denkbar. Solche langfristigen Freizeitbeschäftigungen gilt es zusammen mit dem Betroffenen zu finden. Wenn Sie ihn bereits schon seit vielen Jahren gut kennen, wird es Ihnen umso leichter fallen, ihn die entsprechenden Ratschläge zu geben. Machen sie Vorschläge, geben Sie Anregungen und ermuntern Sie ihn, auch selber danach zu suchen. Diese neuen Freizeitbeschäftigungen müssen natürlich auch nicht mehr unbedingt, wie es in der Überschrift steht, zusammen ausgeführt werden. Wer will schon mit jemanden den ganzen Tag bis zur Ewigkeit immer wieder alles gemeinsam machen?
Zusammengefasst lässt sich konstatieren:
- In der schweren Anfangsphase von Burnout sollte man den Betroffenen dazu animieren, so viel wie möglich geistige Leichtkostbeschäftigungen zu vollführen, um seine Belastbarkeit zu steigern. Dabei gilt so viel wie möglich, denn auch bei Burnout gilt: "Nichts machen, ist das selbe wie nichts gemacht und somit nur Zeitverschwendung."
- Ist ein gewisser Grad an Belastbarkeit erreicht, müssen unbedingt dauerhafte Freizeitvergnügen gefunden werde.