Zunächst möchte ich gerne kurz auf die Frage eingehen: Was ist Selbstwertgefühl und was ist Selbstbewusstsein? Häufig wird dies in der Alltagssprache einfach so miteinander vermischt, als wäre es eine und das selbe. Ist es aber nicht. Bei Burnout leidet häufig viel mehr das Selbstwertgefühl als das Selbstbewusstsein. Allgemein versteht man unter dem Ersterem die Wertschätzung zu einem selber. Häufig wird damit die leidliche Frage, "Magst Du Dich?", verbunden. Wie Sie vielleicht bereits unter "Was ist Burnout?" gelesen haben, ist Enttäuschung und Unzufriedenheit über die eigenen Situation und allgemein über sich selber einer der beiden wesentlichen Hauptgründe für das ausbrechen von Burnout. So lässt sich die Frage "Magst Du ...?" für Burnout-Gefährdete Menschen leicht mit "NEIN!" beantworten. Somit haben Burnout-Betroffene primär ein schwach ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Vielleicht fühlen sie sich offen oder noch versteckt auch minderwertig. Ein schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein muss jedoch nicht damit verbunden sein. Dies hieße ja, dass der Betroffene sich nur noch wenig zutraut und glaubt wenig zu schaffen, nicht sicher unter anderen Menschen auftreten zu können oder allgemein ein schlechtes zwischenmenschliches Gespür besitzen. Mit solchen Pauschalurteilen würde man sicherlich vielen ehemals sehr leistungsfähigen und erfolgreichen Menschen unrecht tun.
Eine wesentliche Eigenschaft von Burnout stellt also ein reduziertes Selbstwertgefühl dar. Menschen mit einem Burnout-Hintergrund sind daher in der Regel immer unzufrieden, sei es mit ihrer Beziehung, mit ihren Erfolgen im Beruf, mit den Mitarbeitern, mit ihrem Freundeskreis oder mit ihrem Gesundheitszustand. Aus der anfänglichen Teilunzufriedenheit bloß bezogen auf bestimmte Lebensbereiche, wird mit dem zunehmenden fortschreiten von Burnout eine immer größeres Unglücklichsein. Der Betroffene zweifelt immer mehr an sich, an seinen Fähigkeiten und Stärken und schlussendlich auch generell an seiner Lebensberechtigun.
Die Konsequenz aus diesem Sachverhalt lässt sich leicht erraten. Schlagwörter wie „loben“, „Erfolge aufzählen“, „Fähigkeiten und Besonderheit nennen“, so etwas will der Betroffene in der Situation hören. Wenngleich wohl die wenigsten offen und ehrlich sagen werden: „Hey lob mich, ich fühl mich ein wenig minderwertig tief in meinem Innersten!“ Daher reagieren viele auch ablehnend auf Lobpreisungen, wenn sie allzu offen vorgebracht werden. Ihnen daher wesentlich lieber sind viele kleine versteckte Anerkennungen ihrer Fähigkeiten oder ihrer bisherigen Erfolge. Denkbar wären Sätze, wie „Du warst letzen Abend wieder richtig gefühlvoll. Das liebe ich an Dir sehr“, „Du kannst ja richtig kreativ schreiben“, „Die Kinder haben sich schon den ganzen Nachmittag darauf gefreut, dass Du endlich wieder kommst“ oder „Ich glaube, ich hätte ein solch langes Studium nicht ausgehalten und zuvor abgebrochen“. Wie Sie an den verschieden Beispielen wahrscheinlich bereits gemerkt haben, ist es wichtig, den Betroffenen nicht nur auf eine oder zwei gute Eigenschaften zu reduzieren, sondern möglichst vielseitig seine Besonderheiten herausheben. Burnout heißt ja auch nicht nur über einen einzigen Lebensumstand unzufrieden zu sein, sondern über etliche.
Wenn Sie noch einen Schritt weiter gehen möchten, so könne Sie auch ganz offen formulieren, dass Burnout heißt, mit sich unzufrieden zu sein und dass es aus daher gut wäre, wenn sich der Betroffene für sich alleine Gedanken dazu machen würde, welche Erfolge er in der Vergangenheit erreicht hat und was er besonders gut kann. Vielleicht wünscht er sich von Ihnen auch, dass Sie ihm dabei helfen.
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Selbstwertgefühl aufbauen
Burn Out Tags: Angehörige, Hilfe von Angehörigen, Selbstwert
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