Für Burnout gibt es zwei wesentliche Hauptursachen. Die erste ist zu viel Stress. Dieser kann verschiedenste Gründe haben. Denkbar wären beruflicherseits ständiger Termindruck oder Arbeiten ohne Pausen oder an ein Ende zu denken. Beispiele für privaten Stress wären dauerhafter Streit in der Partnerschaft oder mit den Kindern oder die Dreifachbelastung von Beruf, Haushalt und Familie.
Was passiert nun in unserem Körper, wenn wir gestresst sind?
Der Begriff Stress wird heute im Allgemeinen dadurch definiert, dass eine Vielzahl an Informationen auf uns einprasseln, welche nicht nur registriert, sondern auch noch verarbeitet werden und in einer ansprechenden Form vom Rechenzentrum Gehirn ausgespuckt werden müssen. Dies bedeutet für das Rechenzentrum des Menschen, das Nervensystem, ein hohe Belastung. Millionen Informationsströmen fließen dauerhaft durch die vielen kleinen elektrischen Leitung des Gehirns. Es wird ständig umgebaut und neue Verbindungsstrecken errichtet. In Hochzeiten kann man sich das Gehirn wie einen riesigen Verkehrsknotenpunkt vorstellen, welcher immer wieder erweitert wird, gleichzeitig aber auch einen enormen Verkehr bewältigen muss.
Um nun zu verstehen, was sich beim Denken im Gehirn abspielt, müssen wir zunächst im groben wissen, wie das Nervensystem überhaupt aufgebaut ist. Zunächst haben wie das Neuron, die Nervenzelle. Sie ist ein kleines Speicherorgan, sozusagen das "Bit" aus der Informatik. Von Ihnen besitzt der Mensch viele Millionen. Doch damit überhaupt ein Denkprozess zustande kommen kann, müssen diese viele kleinen Nervenzellen erst miteinander verbunden werden. Dies geschieht mit Hilfe der Synapsen. Diese sind mit ihrem "Mutterneuron" über ein Kabel verbunden und haben in der Zeichnung die Form eines Kreises. Jene Synapsen docken an andere Neuronen an. Um eine Information übertragen zu können, existieren in den Synapsen Botenstoffe. Unter ihnen befinden sich auch einige sehr bekannte Namen wie das sehr gerne als Glückshormon bezeichnete Serotonin oder das Stresshormon des Nervensystem, das Noradrenalin. Diese Hormone sorgen für einen Reibungslosen Informationsaustausch im Gehirn.
Kommt es nun zu Stress und einer vermehrten Informationsflut, welche verarbeitet werden will, so laufen sprichwörtlich die Drähte im Gehirn heiß. Die Hormonsteuerung reagiert und ruft nach mehr Botenstoffen. Die Hormone Serotonin und Noradrenlin werden im Körper gebildet. Gleichzeitig mit ihnen aber auch die Stresshormone Adrenalin und Cortisol. Der Geist, aber insbesondere auch der Körper werden angeregt hart zu arbeiten. Leider ist der Mensch im wesentlichen nicht nach den Bedürfnissen des 21. Jahrhundert konzipiert wurden, sondern nach denen der Steinzeit. Und in ihr war eine Informationsflut auch immer eine Lebensgefährliche Situation. Vorstellbar, wäre die Jagd eines Bären. Alle Organe des Körpers, welche eine Flucht in der Not unterstützen konnten, werden nun in Alarmbereitschaft gesetzt. D.h.z.B der Herzschlag und der Blutdruck erhöhen sich, die Muskulatur spannt sich an oder die Atmung wird schneller. Desto höher die Stressbelastung ist, desto geringer steht jedoch leider die Versorgung des Gehirns auf der Wunschliste des Körpers. Daher auch die Redensart: Er hat seinen Kopf verloren in all seinen Aufgaben. Nichtsdestotrotz gilt im Allgemeinen, bei lang anhaltenden Stress geht das Gleichgewicht der Stresshormone bzw. Botenstoffe langsam zur Neige. Sie fehlen einfach. Lustlosigkeit und Überforderung treten auf, weil die Informationsverarbeitung im Gehirn einfach nicht so stark mehr "flutscht" wie früher. Diese Symptome verstärken sich mit zunehmender Dauer des Burnout immer mehr. In der siebten Stufe des Phasenmodels von Burnout heißt es schließlich: Ich kann nicht mehr klar denken und ich habe keine Lust mehr zum Leben.
Welche Schlussfolgerung lassen sich daraus für eine Burnout-Behandlung ziehen?
Lang anhaltender Stress ist die Ursache für Burnout. Das wissen wir jetzt, wussten wir aber zuvor auch schon. In soweit hat uns diesen Erklärungsmodell auf den erst Blick keinen nennenswerten Schritt weiter gebracht. Gewählt habe ich es dennoch, damit man als Betroffene auch einmal eine Vorstellung davon bekommt, was wirklich bei Stress in unserem Körper passiert. Insbesondere für logisch denkende Menschen stellt sich immer wieder die Frage, was passiert in meinem Körper, dass ich nicht mehr denken kann. Leider wird man auf diese Frage nur selten auch nur ansatzweise Antworten bekommen.
Des Weiteren wird in diesem Erklärungsmodell auch festgestellt, dass ein Mangel an Hormonen schlussendlich eine wichtige Ursache für Burnout darstellen und dass eben dieser Mangel durch eine überproportionalen Nutzung jener Hormone entsteht. Daher ist die Schlussfolgerung daraus, möglichst so viel wie möglich während der Burnout-Behandlung Stress zu vermeiden. Auch Stress in geringen Dosen muss nicht sein, wenn er nicht sein muss! Ziel dieser absoluten Stressvermeidung ist es, dem Körper Zeit zu geben, sein Stresshormonsystem wieder auf ein normales Niveau zu heben.
In dem Forum zu dieser Webseite wurde ich einmal gefragt, "Wie geht es eigentlich, nichts zu tun?". Und in der Tat, wenn man überall nur hört, dass man Pause machen soll, dann wird hier auch noch geschrieben, nur kein Stress, kann man wirklich zu dem Schluss kommen, anfangen zu wollen, nichts zu tun. Doch wie stellen Sie sich nichts tun vor? Ich stelle mir darunter vor, den ganzen Tag auf einen Stuhl zu sitzen, die Wand anzuschauen und alle 3 Stunden einen Happen zu essen. Das wäre Nichtstun und das wäre natürlich totaler Unsinn. Man würde ja eigentlich nicht nichts tun, denn man würde fleißig, fleißig denken und dabei wahnsinnig wären. Daher stellte es sich als das Beste während einer Burnout-Therapie heraus, keine Zeit für das Nichtstun übrig zu lassen. Denn gerade in dieser Zeit bleibt unser Geist nicht stehen, sondern rattert und rattert und rattert. Also planen Sie sich ab jetzt Ihre freie Zeit aus - nicht mit Stress, nur mit andauernder ruhiger und angenehmer Beschäftigung. Es wäre wirklich der größte Fehler, anfangen zu wollen täglich eine längere Zeit nichts zu tun. Aktivität planen ist während der Burnout-Therapie angesagt. Ob nun Hobbies, Freunde, Sport, Spaziergänge, Entspannungstechniken oder Schlaf. Alles sind Aktivitäten, in welchen der Geist relativ stark ruht. Näheres dazu finden Sie unter Ausgleiche finden.
Die zweite Hauptursache: Unzufriedenheit
"Wer mit seinem Leben unzufrieden ist, wird nicht gesund werden!", dies ist ein feststehendes Dogma in der Burnout-Therapie. Einige Forscher beschreiben Burnout auch als "Hilferuf der Seele". Sie sind davon überzeugt, dass Menschen nur an Burnout erkranken können, wenn Sie unglücklich sind. Jemand, welcher seine Arbeit leidenschaftlich gerne ausfühlt, wird niemals Burnout bekommen, nur weil er alleine zuviel gearbeitet hat. Burnout heißt immer auch Enttäuschungen, Ängste und Unzufriedenheit. Dieses Unzufriedensein lässt sich auch auf das Stress-Modell von Burnout übertragen. Was machen Menschen, welche unglücklich sind? Sie grübeln, denken nach, ärgern sich und sind häufig auch dazu noch aggressiv. Auch bedeutet dies, dass viele Bereiche im Gehirn dauerhaft erregt sind. Dies bei Tag und dies bei Nacht, wenn das Unterbewusstsein alles verarbeiten muss. Nicht um sonst kann man schlechter einschlafen, wenn man große Enttäuschungen erlebt hat oder wenn man Angst hat, dass etwas schlimmes passieren könnte. Unzufriedenheit, Enttäuschung und Angst sind auch Stress für den Körper. Signifikant für den Zusammenhang von Unzufriedenheit und Stress ist auch, dass bei Depressionen häufig Antidepressiva verschrieben, was schlussendlich nichts anderes ist, als ein Serotonin-Präperat. Und Serotonin, wie bereits weiter oben beschrieben wurde, sorgt dafür, dass die die Daten im Gehirn leichter fließen können, dass Denken einfacher geht und mehr Spaß macht.
Um von einem eher "unzufrieden Leben" in ein "Zufriedenes" zu wechseln benötig man zunächst erst einmal eine Erkenntnis: Nämlich die Antworten auf die Fragen: Was macht mich unglücklich? Vor was habe ich Angst? Und worüber war ich enttäuscht? Es gibt viele Mensche die glauben, sie wären vollkommen zufrieden mit ihrem Leben, dabei überspielen sie, ohne es merken, vieles nur. Von daher sollten Sie, nach dem Sie mit der Diagnose Burnout konfrontiert wurden sind, sich Fragen wie die folgenden stellen:
- Verfolge ich unmögliche Ziele?
- Akzeptiere ich nur Perfektionismus von mir und von anderen?
- Bin ich in meiner Partnerschaft unzufrieden?
- Bin ich in meinem Job, in meiner Abteilung, mit meinem Vorgesetzten und meiner Mitarbeiter nicht wirklich zu frieden?
- Treibt mich die Angst, meiner Familie nicht das bieten zu können, was sie verdient?
Weiter Ursachen finden Sie unter der Rubrik: Eine Palette an Enttäuschungen
Für das Formulieren der Frage, sowie für das Suchen von Antworten sollte man sich ausreichend Zeit nehmen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass die Erleuchtungen gleich alle am ersten Tag zufliegen. Bei manchen Patienten kann dieser Findungsprozesse ein Jahr oder sogar länger dauern. Häufig weis man auch nicht, in welcher Richtung man nun genau suchen sollte und was wirklich die beste Reaktion auf die vorhandene Problemstellung ist. Um nicht unnötig den Heilungsprozess in die Länge zu ziehen, ist es auch aus diesem Grunde sehr hilfreich, sich Unterstützung bei einem Arzt zu holen. Dieser kann Ihre Lebensgeschichte mit anderen vergleichen und aus seinem Wissen und seiner Erfahrung heraus, Ihre Gedanken in die richtige Richtung lenken. Der Arzt gibt die Fragen vor und zeigt anschließend Möglichkeiten zur Lösung auf.
Nachdem Sie sich wie oben beschrieben, gefragt haben, "Was macht mich eigentlich unglücklich?", folgt die Findung von Lösungsansätzen. Grob lassen sich diese in zwei Gruppen einteilen: Akzeptanz und Veränderung. Akzeptieren lernen sollte man alles, was sich nicht verändern lässt oder was schon vergangen ist, einen jedoch immer noch schwer belastet. Dabei denke ich beispielsweise an anhaltende nicht zufrieden stellende Prüfungsergebnisse, trotz hoher Lernleistung. Offensichtlich kann der einzelne daran nichts ändern und muss einfach verstehen, dass er leider nicht besser ist. Denkbar sind ebenfalls vergangene Erlebnisse von schweren Beleidigungen, Mobbing bis hin zu sexuellen Belästigungen. Man kann sich entscheiden, sich ewig darüber zu ärgern oder sich mit ihnen intensiv für eine Zeit auseinander zu setzen und sie damit zu bewältigen. In vielen Fällen ist dabei eine Einbeziehung eines Vertrauensperson oder einer psychologisch tätigen Person dringend zu empfehlen. Nun zu Veränderungen. Grundsätzlich kann und muss man viel in seiner Lebensgestaltung verändern um das Syndrom zu heilen. Dies ist wohl sicherlich keine große Weisheit und sofort jedem bewusst, sobald er die Diagnose Burnout kennt. Erste Gedanken der Lösung kommen einen auch in den Sinn, nur greifen die eigenen Versuche häufig nicht so, wie erwartet. Es dauert alles viel schleppender und länger. Eh sich nach einer erfolgsversprechenden, radikalen Lebensveränderung wirklich auch die Lage des Betroffenen ändert, vergehen in der Regel mindestens vier bis acht Wochen.
Zusammengefasst
Alle angesprochenen notwendigen Veränderungen sollten sich weg von einem stressigen Leben, von dauerhaften Getrieben-Sein und Immer-Unter-Strom-Stehenen hin zu einem entspannteren und vor allen Dingen glücklicheren Leben bewegen. Dies soll natürlich nicht heißen, ab sofort und für immer jeden Ehrgeiz abzulegen und einer buddhistischen Tempelgemeinschaft beizutreten. Der Mensch ist durchaus dafür ausgelegt, auch sehr stressige Berufe über einige Jahrzehnte auszuführen. Wichtig ist dabei jedoch, zu lernen, sich ständig selbst eigene Grenzen vorzugeben und diese auch zu akzeptieren und sich insbesondere ständig Fragen zu stellen wie "Bin ich jetzt wirklich glücklich?", "Gibt es noch Dinge, welche ich mit einigen Kraftaufwand verändern kann, um mich noch besser zu fühlen?" oder "Mache ich mir bei Dingen Panik, wo es eigentlich gar nicht nötig wäre?".
Burnout kann nicht entstehen, wenn man nur viel arbeitet. Dies kann maximale eine kürzere Schwächeperiode nach sich ziehen, jedoch nicht mehr. Burnout kann auch nicht entstehen, wenn man nur Unzufrieden ist. Dies würde man dann im schlimmste Fall eine schwere Depression nennen und Burnout und Depression haben zwar viele Gemeinsamkeiten, jedoch beeinträchtigt eine Depression die Leistungsfähigkeit eines Menschen nicht in diesem starken Rahmen. Burnout entsteht nur, wenn beide Faktoren ein bestimmtest Maß der Toleranz überschreiten. Burnout entsteht nur, wenn Menschen Unzufrieden sind und sich gleichzeitig einer hohen geistigen und/oder emotionalen Belastung aussetzen