So entwickelt sich ein Burnout aus Sicht der Angehörigen

Burnout Sicht der Angehörigen
Angehörige sollten stets auf Verhaltensveränderungen achten und ggf. reagieren.

Wenn Ihr Lebenspartner, Freund oder eine nahestehende Person unter dem Burnout Syndrom leidet, schlägt sich das in bestimmten Verhaltensänderungen nieder. Diese sind auch für sie sichtbar. Oft ist es sogar so, dass Sie ein drohendes Burnout eher erkennen können, als der Betroffene selbst. Wenn Sie der betroffenen Person sehr nahe stehen, können Sie die Auswirkungen des Burnouts sehr deutlich sehen. Unter anderem gehören dazu vermehrtes Engagement, ein unverkennbar emotionaler Rückzug und später auch geistiger Abbau bzw. Leistungsabfall.

Verstärktes Engagement

Von zentraler Bedeutung in der Entwicklung eines Burnouts ist das überproportional hohe Engagement, das der Betroffene an den Tag legt. Dieses Verhalten fällt Angehörigen besonders stark auf, wenn es stark von den üblichen Verhaltensweisen abweicht. Mit einem überdurchschnittlich hohen Engagement gehen bestimmte Veränderungen einher:

  • täglich mehrere Überstunden
  • die Arbeit wird mit nach Hause genommen
  • Freizeit existiert fast nicht mehr
  • Unterhaltungen drehen sich fast ausschließlich um den Job
  • bei dem Versuch Ihren Angehörigen von der Arbeit abzuhalten, erfahren Sie starke Zurückweisung
  • der Betroffene zieht sich zurück und verbringt kaum noch Zeit mit Ihnen

Prüfen Sie diese Merkmale und stellen dabei fest, dass sie auf den Angehörigen zutreffen, so ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Falls der Betroffene nicht ohnehin schon immer ein erhöhtes Arbeitspensum hatte, ohne allerdings private Bereiche über Gebühr zu vernachlässigen, so handelt es sich bei diesen Verhaltensweisen um erste äußere Anzeichen dafür, dass ein Burnout drohen kann.

Emotionale Abkapselung des vom Burnout Betroffenen

Falls Sie den Betroffenen schon eine ganze Weile beobachtet haben, und das bezeichnende verstärkte Engagement feststellen konnten, ist in den meisten Fällen mit einer weiteren Verschärfung der Umstände zu rechnen. Klassischerweise folgt danach eine Phase des emotionalen Rückzugs. Dieser Rückzug vollzieht sich, weil das verstärkte Engagement nicht ausreicht, um die hochgesteckten Ziele zu erreichen. Die Einstellung des Betroffenen verändert sich von Idealismus und positiver Grundhaltung in eine von Lustlosigkeit geprägte Arbeitshaltung. Auch fehlt der Antrieb, um in der Freizeit aktiven Ausgleich zu finden. Bei manchen vom Burnout bedrohten Menschen ist diese emotionale Abkapselung deutlich sichtbar, andere agieren eher unbewusst. Deshalb können die Ausprägungen in Hinblick auf die emotionale Abkapselung auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Es ist durchaus möglich, dass ein Betroffener, der schon lange eine bestimmte Arbeit verrichtet hat, sich mehr und mehr langweilt. Ein Überengagement war bislang nicht zu erkennen, jedoch wächst die emotionale Distanz zu seinen Aufgaben stetig an. So kann es beispielsweise passieren, dass Angestellte, die Tag für Tag monotone Formulare ausfüllen oder gleichförmiger Fließbandarbeit verrichten, für Sie als Außenstehender ganz plötzlich in eine Krise geraten. Doch tatsächlich haben sie sich schon eine lange Zeit in der Anbahnungsphase aufgehalten und den emotionalen Rückzug still für sich durchlebt.

Leistungsfähigkeit nimmt drastisch ab

Ist Ihr Angehöriger an einem Punkt angelangt, an dem die Leistungsfähigkeit spürbar zurückgeht, ist er in der Phase angelangt, die tatsächlich als „Burnout“ bezeichnet wird. Der Leistungsabfall erfolgt sehr oft innerhalb kürzester Zeit im Vergleich zu der Länge der vorangehenden Phasen. Betroffene fühlen sich schlagartig unfähig, ihre Aufgaben weiter zu erfüllen und verfallen in eine depressive Stimmung. Meist ist das auch der Zustand, in dem Angehöriger erstmals wahrnehmen, dass mit ihrem Partner bzw. der nahestehenden Person etwas nicht stimmt. An dieser Stelle ist professionelle Hilfe unerlässlich.

Sie können einem vom Burnout betroffenen Menschen helfen, Sie können jedoch auch zu einer Verschärfung der Krise beitragen. Falsch wäre es, wenn sie Gleichgültigkeit an den Tag legen oder verständnislos auf die schwierige Situation reagieren würden. Auch Wut und Streitereien über die verminderte Leistungsfähigkeit und die daraus folgenden finanziellen oder beziehungsmäßigen Konsequenzen wären kontraproduktiv. Was Sie jetzt tun sollten, ist Ihren Angehörigen aufzufangen und ihn dazu motivieren, ärztliche Hilfe zu suchen.

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