Helfersyndrom als Ursache von Burnout

Mit Helfersyndrom zum Burnout
Oft neigen Betroffene dazu, sich zuviel zuzumuten, da sie schwer nein sagen können.

Eine ganz klassische Ursache für ein Burnout ist das so genannte Helfersyndrom. Dabei handelt es sich im Allgemeinen um eine Ursache aus der Kindheit. Ein plötzlicher, unerwarteter Mangel an Zuneigung und Liebe in jungen Jahren ist oft der Auslöser. Wenn zum Beispiel ihre Mutter nach einer langen Phase der Zuwendung einen neuen Arbeitsplatz bekommt und Ihnen deshalb drastisch weniger Aufmerksamkeit widmen konnte, wäre das ein solcher Einschnitt. Auch wenn es in der Ehe der Eltern kriselte und Sie als Kind in den Hintergrund verdrängt wurden Sie in ihrer Kindheit. Diese und andere Vorgänge können ein Helfersyndrom in ihnen angelegt haben.

Liebesentzug führt zur Kompensation

Ist Ihnen eine der beschriebenen Situationen so oder ähnlich in der Vergangenheit passiert, dann kennen Sie auch den folgenden Mechanismus: Sie haben sich sicherlich gefragt, warum Ihnen damals die Aufmerksamkeit entzogen wurde oder warum sie vernachlässigt, gequält oder geschlagen wurden. Das Gefühl der Abhängigkeit und die Stärke der Ablehnung hat Ihr Selbstwertgefühl geschwächt. Diese Schwächung kann unterschiedlich stark ausfallen. Je nachdem, wie sie veranlagt sind, haben Sie sich selber die Schuld gegeben oder andere in die Verantwortung genommen. Kinder neigen dazu, den vermeintlichen Fehler bei sich zu suchen. Deshalb bemühten Sie sich ganz besonders darum, sich positiv zu verhalten, um Anerkennung zu ernten.

Alleine aus entwicklungspsychologischer Sicht ist die Bindung zwischen Eltern und Kindern stark. Eltern sind Vorbilder und Kinder versuchen ihn nachzueifern. Deshalb konnten Sie ihre Frustration nicht an Ihren Eltern abreagieren. Stattdessen richteten Sie die Frustration gegen Sie selbst und das nagte an Ihrem Selbstwertgefühl. Die Frage, warum beispielsweise Ihre Mutter Sie zurückgewiesen hat wurde automatisch dadurch begründet, dass Sie offenbar nicht „lieb genug“ waren. Dieses Gefühl verankerte sich in Ihrer Psyche und wurde über viele Jahre vielleicht sogar Jahrzehnte noch ausgeprägter.

In der Konsequenz fühlen Sie sich auch heute noch aus offenbar unerklärlichen Gründen dazu verpflichtet, permanent an Ihren Beziehungen zu arbeiten, um sie zu verbessern. Sie haben als Kind alles getan – vielleicht tun Sie auch heute noch immer sehr viel dafür – um wieder geliebt zu werden. Sie waren und sind hilfsbereit, freundlich und übernehmen viele Aufgaben. Es grenzt fast schon an eine zwanghafte Handlung, die in Ihrem erwachsenen Leben ohne therapeutische Hilfe kaum noch verschwinden wird.

Das Helfersyndrom als Einstieg zum Burnout

Die Bezugsperson mag gewechselt haben, doch Ihre Verhaltensweise ist geblieben. Sie haben gelernt, dass Sie Menschen helfen müssen, um gemocht zu werden. Anerkennung und Dankbarkeit wird Ihnen nur dann zuteil, wenn Sie sich helfend verhalten. Allerdings wird diese Hilfe in Ihrem erwachsenen Leben oftmals nicht ausreichend wertgeschätzt. Vielen anderen Menschen ist ein Helfersyndrom sehr lästig und das kommunizieren Sie auch. Die Zurückweisung im Alltag vermindert Ihr Selbstwertgefühl aufgrund Ihrer stark prägenden Kindheitserlebnisse weiter. Wenn Sie unbedingt Anerkennung brauchen, um ihr Selbstwertgefühl aufzubauen, wenn Sie davon abhängig sind, dann sind Sie krank. Lassen Sie sich helfen!

Ein ausgeprägtes Helfersyndrom ist ein Sprungbrett zum Burnout. Mit dem Helfersyndrom lastet ein hoher Druck auf Ihnen. Die ständigen Zurückweisungen führen dazu, dass Sie Ihre hochgesteckten Ziele nicht erreichen können. Ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstbewusstsein kranken immer weiter. Die Enttäuschung kann sich bis zu einer massiven Depression auswachsen. Diese öffnet Tür und Tor zum Burnout. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis sich aus dem Risiko zum Burnout eine Tatsache verfestigt.

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